Wandern zwischen Meer und Stille: von San Fruttuoso zur Eremo di Niasca, bis zur Cervara – einer der authentischsten und überraschendsten Wanderwege des Promontorio di Portofino
Portofino. Beim Klang dieses Namens denken die meisten sofort an Yachten, Boutiquen und malerische Postkartenmotive.
Aber es gibt ein anderes Portofino. Stiller, grüner und ursprünglicher. Ein Ort, an dem die Zeit sich dehnt und die Pfade von längst vergangenen Zeiten erzählen.
Genau das entdeckt man beim Wandern auf dem „Sentiero dei Monaci„.

Diese zweitägige Route im Herzen des Parco Naturale Regionale di Portofino ist für alle gedacht, die gerne wandern, Orte wirklich kennenlernen und nachhaltig reisen möchten.
Der Weg verbindet Meer und Wald, Spiritualität und Einfachheit – und ist damit ideal für alle, die Portofino nachhaltig, slow und authentisch erleben möchten.
Bereit? Dann auf geht’s.
Tag 1: von San Fruttuoso zur Einsiedelei Niasca

Die Reise beginnt bei der spektakulären Abtei San Fruttuoso, einem der malerischsten Klosterkomplexe der Welt.
San Fruttuoso: ein Kloster zwischen Geschichte und Legende

Früher gab es hier keinen Strand: Das Kloster stand einst direkt am Meer. Erst eine große Überschwemmung im Jahr 1915 hat der Bucht ihre heutige Form gegeben.
Der Legende nach kamen die Reliquien des Heiligen im 8. Jahrhundert aus Spanien hierher: Der Beginn einer Geschichte aus Glauben, Macht und Konflikten zwischen einflussreichen Familien wie den Doria und den Fieschi.
Noch heute lassen sich erkennen:
- der achteckige Glockenturm
- der mittelalterliche Kreuzgang
- die direkt am Meer errichteten Gebäude
Die Wanderung: technische Daten

- Distanz: ca. 4,5 km
- Dauer: 3 Std. 30 Min.
- Schwierigkeitsgrad: Wanderweg (E)
Der Pfad schlängelt sich die Hänge des Monte di Portofino hinauf – durch schattige Wälder und über Durchgänge mit atemberaubendem Blick aufs Meer.
Dies ist einer der schönsten Abschnitte des gesamten Parco di Portofino: ideal für alle, die Natur und Meerespanoramen suchen.
Mediterrane Macchia, frische Waldluft, und dann plötzlich: das Meer. Jede Kurve lädt ein, innezuhalten.
Unbedingt einplanen: den Abstecher zu Base 0, einem der spektakulärsten Aussichtspunkte des Parks.
Wenn man sich der Einsiedelei Niasca nähert, erzählt die Landschaft eine lange Geschichte der Verbundenheit zwischen Mensch und Natur:
- Trockensteinmauern
- Kastanienwälder
- Wildkräuter
Ein Gleichgewicht, das über Jahrhunderte gewachsen ist und noch heute spürbar bleibt.
Übernachten in einer ökofreundlichen Einsiedelei: Eremo di Sant’Antonio di Niasca

Wenn ihr bei der Einsiedelei Sant’Antonio di Niasca ankommt, ist das Gefühl eindeutig: Hier ist die Welt eine andere.
Gegründet im Jahr 1317, entstand dieser Ort als kleines Einsiedlerkloster: hier lebten Mönche in Stille und Landarbeit. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er Eigentum der Abtei Cervara, durchlief Veränderungen und verlor seine religiöse Funktion in napoleonischer Zeit.
Heute ist die Eremitage eine Wanderherberge und eine ökofreundliche Unterkunft mitten im Wald, wenige Minuten vom Meer entfernt, und trotzdem weit weg vom Massentourismus.

Das Gastfreundschaft-Erlebnis ist hier wirklich nachhaltig:
- Energie aus erneuerbaren Quellen
- Regenwassernutzung
- vegetarischer Küche mit lokalen Produkten
- kein Straßenzugang, ausschließlich zu Fuß erreichbar
Hier lädt alles dazu ein, zu entschleunigen.
Am Abend, in der Stille des Waldes und bei einem einfachen Abendessen, passiert etwas Seltenes: Man verbindet sich wieder wirklich mit der Natur und mit sich selbst.
Die kleine Bucht von Niasca ist nur wenige Schritte entfernt für diejenigen, die den Tag mit einem Bad im Meer beenden möchten.
Tag 2: von der Einsiedelei Niasca zur Cervara

Der zweite Morgen beginnt ohne Eile.
Man verlässt die Eremitage und wandert weiter zur Abtei Cervara durch stille Wälder und Täler.
Die Route: technische Daten der Wanderung
- Distanz: ca. 2,8 km
- Dauer: 1 Std. 45 Min.
- Schwierigkeitsgrad: Touristenweg (T)
Man wandert zwischen Kastanien und Steineichen, durch frische und stille kleine Täler. Das Meer blitzt immer wieder zwischen den Bäumen durch als sanfte Begleitung, nicht als Ablenkung.
Das Ziel ist die wunderschöne Abtei Cervara.
Nach der Einfachheit der Einsiedelei Niasca überrascht die Cervara mit einer ganz anderen Energie.
Die Cervara: Geschichte und Spiritualität

Das alte Benediktinerkloster mit Blick auf den Golf von Tigullio ist heute ein Ort, an dem Geschichte, Kunst und Natur eine harmonische Einheit bilden.
Der alte Name – Cervaria, Sylvaria – deutet auf einen bewaldeten, abgelegenen Ort hin, ideal für eine eine ruhige und nachdenkliche Spiritualität.
Gegründet im Jahr 1364, entwickelte sich das Kloster schnell, auch dank Erzbischof Guido Sette.
Im Laufe der Zeit wurde es zu einem bedeutenden Zentrum mit Besitzungen und prominenten Gästen. Trotzdem durchlebte es auch schwierige Zeiten: Überfälle, Verwüstungen und schließlich den Verfall nach den Unterdrückungen von Napoleon.
Architektur und Garten mit Meerblick

Heute ist die Cervara noch im Originalzustand erhalten:
- dreischiffige Kirche
- Kreuzgang mit Rundbögen
- elegante und schlichte Klostergebäude
Das eigentliche Highlight ist aber der Terassengarten im italienischen Stil mit Blick auf das Meer.
Hier wächst ein jahrhundertealter monumentaler Blauregen, der noch heute nach Hunderten von Jahren in voller Blüte steht.
Praktische Tipps für nachhaltiges Wandern
- Bucht euren Aufenthalt in der Einsiedelei frühzeitig (die Plätze sind begrenzt)
- Brecht früh in San Fruttuoso auf
- Nehmt ausreichend Wasser mit (mindestens 1,5 Liter)
- Tragt Wanderschuhe
- Respektiert die Umwelt: Hinterlasst den Pfad so, wie ihr ihn vorgefunden habt!
- Ladet die Wegekarte herunter (PDF) oder nutzt die offizielle App des Parks
Eine Einladung zum Entschleunigen

Nur wenige Schritte von einem der bekanntesten Reiseziele Italiens entfernt existiert noch ein Raum der Stille, der Echtheit und der Schönheit.
Diese Route ist eine Einladung, ihn zu entdecken.
Langsam, in aller Ruhe.
Zu Fuß.
Und mit anderen Augen.
Ein perfektes Wochenende im Slow-Travel-Stil in Ligurien – abseits der Massen und nah an der echten Seele der Region.
Coverbild: Abtei Cervara, Zielpunkt der zweitägigen Trekking-Wanderwegs in der Nähe von Portofino. Foto von Claire0301, via Wikimedia.

Rifugio escursionistico L'Eremo di Sant'Antonio – Green Schutzhütte in Portofino, Metropolitan City of Genoa, Liguria, IT 
