In Italien gibt es viele verlassene Dörfer, von denen jedes eine unglaubliche Geschichte und einen einmaligen Charme hat. Diese Geisterstädte sind Orte, wo alles stillzustehen scheint und sie können uns auf magische Weise in der Zeit reisen lassen. Könnte dies eine neue Art von Tourismus sein?

Entdecken wir die Top 6 Geisterstädte in Italien.

1. Die Geisterstadt des Kinos: Craco (Basilikata)

Sie wird “Geisterstadt” genannt und ist tatsächlich eine. Die alten Häuser des Dorfes Craco oben auf einem Berg im Distrikt Matera wurden nach einem Erdrutsch verlassen und die Bewohner zogen hinunter ins Tal. Die Ruinen der alten Architektur, umgeben von Stille und regungsloser Landschaft, nur unterbrochen vom Flug der Vögel, machen Craco zu einen surrealen und faszinierenden Ort.

Nicht zufällig war er Filmkulisse für mehrere Filme: Christus kam nur bis Eboli, Basilicata coast to coast, Die Passion Christi von Mel Gibson und viele mehr. Heute kann man das Dorf besuchen und mit einer geführten, über das Rathaus organisierten Tour sicher durch einige kleine Straßen gehen.

Die Geisterstadt des Kinos: Craco (Basilikata)
Craco, Basilicata, ph. by Jane drumsara, via Flickr

2. Die Geisterstadt des Mythos: Pentedattilo (Kalabrien)

Dieses schöne Geisterdorf befindet sich ganz oben auf dem Monte Calvario, dessen Form an eine riesige Hand mit fünf Fingern erinnert. Daher stammt der Name des Ortes (Penta+Daktilos= fünf Finger). Bis vor wenigen Jahren war dieses faszinierende alte Dorf voller Geheimnisse noch völlig verlassen. Die Bewohner sind ins Tal gezogen und haben ein neues Dorf aufgebaut, von wo aus sie das alte Geisterdorf bewundern. Erst vor kurzem haben ein paar kleine lokale Handwerksbetriebe, ein Restaurant und einige kleine Geschäfte dem alten Dorf wieder Leben verliehen.

Jeden Sommer ist Pentadattilo eine fester Bühnenstandort des Wanderfestivals Paleriza, einer wichtigen Kulturveranstaltung von Kalabrien, und des Pentadattilo-Filmfestivals, einem internationalen Kurzfilmfestival.

Die Geisterstadt des Mythos: Pentedattilo (Kalabrien)
Pentadattilo, ph. by Luigi Lacquaniti, via Flick

3. Die Spielzeug-Geisterstadt: Consonno (Lombardei)

Consonno war eine kleine, ruhige Stadt im Distrikt Lecco, bis in den 1960er Jahren ein skrupelloser Bauunternehmer, Graf Mario Bagno, das gesamte Land aufkaufte und Consonno in eine Entertainment-Stadt verwandelte – eine Art „italienisches Las Vegas“. Doch anders als im echten Las Vegas, das mitten in der Wüste ins Nichts gebaut wurde, wurde das uralte Dorf Consonno zerstört, um Platz zu machen für neue extravagante Gebäude. Innerhalb weniger Jahrzehnte scheiterte dieser törichte Plan und Consonno blieb als pittoreske Spielzeug-Geisterstadt zurück, mit einer eigenen Webseite über ihre Geschichte.

Die Spielzeug-Geisterstadt: Consonno (Lombardei)
Consonno. Foto: O Cartu, via Flick

4. Die Geisterstadt der Utopie: Campomaggiore Vecchia (Basilikata)

Campomaggiore Vecchia, auch Stadt der Utopie genannt, liegt in der Nähe von Potenza. Aufgrund eines Erdbebens im späten neunzehnten Jahrhundert, das die Bewohner zum Umzug zwang, ist die Stadt unbewohnt. Giovanni Patturelli, der Architekt des Projekts Campomaggiore Vecchia im späten achtzehnten Jahrhundert war den utopischen Theorien von Robert Owen und Charles Fourier gefolgt. Das Dorf, das nur für 1.600 Menschen vorgesehen war, wurde aus im Schachbrettmuster angeordneten Häusern gebaut. Zu jedem Haus gehörten ein eigenes Grundstück zur Bewirtschaftung, Olivenbäume und ein Weingut.

Die Geisterstadt der Utopie: Campomaggiore Vecchia (Basilikata)
Campomaggiore Vecchia, Ruinen eines Hauptgebäudes. Foto: bartolomeo perrotta, via flickr

5. Die Geisterstadt in den Monti della Laga: Valle di Piola (Abruzzen)

Das Valle di Piola in der Nähe von Teramo ist ein mittelalterliches Dorf im Herzen des Parco Gran Sasso und der Monti della Laga. Seit 1977 ist es nicht mehr bewohnt, damals zog auch die letzte Familie von hier fort. Die Häuser aus Stein sind nur von wilder Natur umgeben. Es gibt nur einen weißen Weg, der zum Valle di Piola (Via della Fauna) führt. Innerhalb des Dorfes wurde er gepflastert und setzt sich dann als Esel-Pfad fort. Einige Gebäude haben die typischen überdachten Holzbalkone, die “gafi” (im Dialekt “lu gafie”) genannte werden. Seit ein paar Jahren steht dieses mittelalterliche Dorf zum Verkauf (für nur 144€ pro Quadratmeter), denn der Eigentümer und die staatlichen Institutionen haben keine Mittel, diese wertvollen historischen Schätze zu bergen.

Die Geisterstadt in den Monti della Laga: Valle di Piola (Abruzzen)
Valle di Piola in den grünen Hügeln. Foto: moto itinerari, via Flick

6. Die Geisterstadt der Künstler: Bussana Vecchia (Ligurien)

Das mittelalterliche Dorf Bussana Vecchia in der Nähe von Sanremo wurde Ende des neunzehnten Jahrhunderts infolge eines Erdbebens von seinen Bewohnern verlassen. Doch in den letzten 50 Jahren hat die Faszination dieses verlassenen Ortes viele Künstler veranlasst, ihm wieder Leben zu geben. Alles begann ganz am Anfang der 1960er Jahre, als die Maler Clizia und Vanni Giuffrè die Idee hatten, eine internationale Künstlergemeinschaft zu gründen, wo Maler, Bildhauer, Musiker, Schriftsteller und Dichter leben und sich voll und ganz ihren Künsten widmen können. Dreißig weitere Künstler aus Italien und Europa gesellten sich hinzu und retteten die Gebäude vor dem Verlassensein und dem Verfall. Gleichzeitig respektierten sie die Struktur des mittelalterlichen Dorfes und die Gebäude so, wie das Erdbeben sie hinterlassen hat.
Heute ist das Dorf voller Kunsthandwerksgeschäfte und jedes einzelne Haus, jeder Platz, jede Straße und jeder Springbrunnen ist ein wahres Kunstwerk. Das Dorf kann nur zu Fuß besucht werden, Autos werden am Zugang zur Stadt abgestellt.

Die Geisterstadt der Künstler: Bussana Vecchia (Ligurien)
Bussana Vecchia. Foto: Ezio Armando, via flickr

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